
Drei Städte, drei Anpassungen: Köln, Mönchengladbach, Berlin offenbaren überraschende Lektionen fürs Autofahren – und was sie für deinen nächsten Arbeitsweg bedeuten.
Es gibt eine Beobachtung über das Cars-&-Coffee-Format, die in keinem unserer Pläne stand, aber jede Edition bestätigt hat. Die Driver unterschieden sich von Stadt zu Stadt überraschend wenig. In den Begriffen unserer heutigen DriverDNA-Methodik: in fast jeder Edition hatte die Mehrheit der Teilnehmer einen erkennbaren Showstopper-Anteil und einen klaren Connoisseur-Anteil. Wer ein Cars & Coffee besuchen kommt — egal ob Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach oder Berlin — kommt typischerweise in dieser Mischung. Das gehört zur Logik des Formats.
Was sich aber sehr deutlich unterschied, war die Stadt. Genauer: der Raum, in dem das Format stattfand. Die Stunden vor und nach dem eigentlichen Event. Und das, was die Stadt mit der Atmosphäre macht, ohne dass man als Veranstalter darauf groß Einfluss hätte. Drei Adaptionen haben uns das auf je eigene Weise gezeigt.
Köln — die große Show
Der Standort, den wir in Köln gefunden hatten, war ein runder Platz am Wasser im Medienpark. Visuell stark, akustisch offen, gut einsehbar. Die Folge: Köln war optisch die imposanteste unserer Editionen. Wagen standen in einer fast natürlichen Halbkreis-Choreografie, der Blick zog von einer Ecke des Platzes zur anderen, die Stadt selbst schickte ein freundliches, indirektes Publikum dazu. Köln wurde eine Show.
Das hatte Stärken und Schwächen. Eine Show zieht Aufmerksamkeit. Eine Show verschiebt aber auch den Schwerpunkt — weg vom Gespräch zwischen Drivern, hin zur Inszenierung. Wir haben die Logik akzeptiert und ihr nicht widersprochen. Köln durfte Köln sein. Das hat ein eigenes Publikum angezogen, das in Düsseldorf so nicht erschienen wäre.
Düsseldorf — das Klassentreffen, das sich sternförmig auflöst
Düsseldorf hatte eine andere Logik. Hier war das Cars & Coffee weniger Show als Klassentreffen. Die Gespräche fingen schon beim Anrollen an, weil sich die meisten kannten. Nach dem offiziellen Ende des Formats verteilten sich die Driver sternförmig in die Stadt — an die Kö, in den Medienhafen, in eines der drei oder vier Restaurants, die für genau diese Sonntags-Nachmittage gemacht sind. Düsseldorf war nie nur das, was auf dem Parkplatz stattfand. Es war immer auch das, was nach dem Parkplatz folgte.
Diese Stadt-Logik war einer der Gründe, warum die Düsseldorfer Edition über Jahre die kuratorische Hauptlast getragen hat. Sie hat den Drivern nicht nur ein Format angeboten, sondern eine halbtägige Choreografie. Wer sonntags um 8 Uhr aus Köln, Aachen oder Bonn anreiste, wusste, dass um 14 Uhr nicht Schluss sein würde.
Mönchengladbach Night Edition — Need for Speed am Flughafen
Mönchengladbach war die radikalste Übersetzung. Statt eines Sonntagmorgens auf einem Innenstadtplatz hatten wir den Mönchengladbacher Flughafen. Statt 7 Uhr Tageslicht hatten wir 21 Uhr unter LED-Bars und Flugfeld-Beleuchtung. Statt eines statischen Formats hatten wir ein fahrdynamisches Element — Taxifahrten in einem Lexus aus dem VLN-Programm und in einem LMP-Prototypen, die das Erlebnis um eine Dimension erweiterten, die kein klassisches Cars & Coffee im Werkzeugkasten hat.
Es war ein Need-for-Speed-Gefühl, ehrlich gesagt — kein Begriff, den ich in jedem Editorial gebrauchen würde, aber an dieser Stelle die genaue Beschreibung. Die schwarze Asphalt-Inszenierung des Flughafens, das Beben unter den Wagen, die Möglichkeit, in einem echten Renn-Auto mitzufahren. Cars-&-Coffee-Logik, übersetzt in eine Tageszeit und eine Sinnesarchitektur, die das ursprüngliche Format so nicht angeboten hat. Mönchengladbach hat funktioniert, weil die Sehnsucht nach dem Format ehrlich war — und weil wir die Übersetzung mit Mut zur Distanz vom Original gemacht haben.
Berlin — die Carfactory und die Ausfahrt danach
Berlin lief an der Carfactory, einer der wenigen Berliner Locations, die einem Sportwagen-Format selbst Würde verleiht statt diese nur zuzulassen. Wir gestalteten die Berliner Edition etwas exklusiver. Das passte zum Ort, zum Berliner Driver-Profil und zu der Tatsache, dass eine Stadt wie Berlin keine Edition trägt, die nur eine schwächere Kopie eines Düsseldorfer Modells wäre.
Das eigentlich Schöne an Berlin war die Ausfahrt, die wir gemeinsam mit einem lokalen Kooperationspartner an die Veranstaltung anschlossen. Aus dem statischen Format-Charakter wurde eine bewegte Sache. Driver, die sich am Parkplatz kennengelernt hatten, fuhren danach gemeinsam los — und in genau diesem Übergang war Berlin paradoxerweise näher am Kern des Formats als manche Edition mit höherer Driver-Dichte. Weil Cars Connect People dort als Bewegung passierte, nicht als Stehgespräch.
Was alle vier verbindet
Wenn ich aus allen Editionen ein einziges Bild herausnehmen müsste, das beschreibt, was Cars & Coffee tut, wäre es dieses: ein Anfang-Zwanziger, der gerade seinen ersten Sportwagen gekauft hat, steht neben einem Mitte-Siebzigjährigen Sammler. Beide haben einen guten Kaffee in der Hand. Beide unterhalten sich auf Augenhöhe, per Du, über die gemeinsame Leidenschaft. Es gibt kein VIP-Bändchen, kein Statusbarometer, keinen unsichtbaren Vorrang. Das eine, was beide miteinander verbindet — die Liebe zu einem bestimmten Auto, zu einer bestimmten Driver-Kultur — wirkt so präzise, dass der Generationen-Abstand für den Moment irrelevant wird.
Genau das ist es, was dieses Format ausmacht. Und das ist auch der Grund, warum wir bei DRIVTO darauf bestehen, dass die Plattform keine VIP-Lounge ist. Sie ist ein Parkplatz mit Kaffee. Nur eben digital. Die Augenhöhe ist nicht verhandelbar.
Was wir aus den Reibungen mitgenommen haben
Ein letzter Punkt, der über die vier Adaptionen hinweg reifte. Nicht alle Driver wollten dasselbe Format. Einige fragten zunehmend nach kleineren Editionen mit Fokus auf Driving Experience — weniger Stehen, mehr Fahren. Wir entwickelten daraus eigene Sub-Formate, die das Cars-&-Coffee-Prinzip beibehielten, aber den Bewegungsanteil priorisierten. Diese Linie ist eine der Wurzeln dessen, was DRIVTO heute unter Drive-Formaten versteht — und auch der Grund, warum Formate wie Tute Bene Hillclimb oder Testf1rst auf unserer Empfehlungs-Logik so prominent stehen. Sie sind nicht

Philipp Lauterbach ist Gründer von DRIVTO, der kuratierten Identitäts- und Discovery-Plattform für die europäische Sportwagen-Szene. Mit Sitz in Düsseldorf baut er seit August 2018 Sportwagen-Communities — zuerst über das Cars+Coffee-Format in Düsseldorf, Köln, Berlin, Mönchengladbach und auf Sylt, seit Mitte 2024 in Form von DRIVTO als Plattform mit eigenem Editorial-Magazin und proprietärer DriverDNA-Methodik.
Sein Weg in die Sportwagen-Welt begann mit einer Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann in einer Mercedes-Benz-Händlergruppe. Es folgten Marketing-Verantwortlichkeiten bei Ferrari und Maserati in Düsseldorf, wo er zu einer der prägenden Marketing-Stimmen dieser Marken in Deutschland seiner Zeit wurde. Aus dieser Phase erwuchs auch der direkte Kontakt zur Cars+Coffee-Bewegung — und das Faible für italienische Wagen, das ihn bis heute prägt. Ferrari und Pagani stehen seitdem im Zentrum dessen, was er als Driver selbst sucht.
Vor DRIVTO baute er die Cars+Coffee-Stationen in mehreren deutschen Städten auf — eine eigenständige Event-Reihe, die in ihrer aktivsten Phase mehr als 1.500 Sportwagen-Fahrer in DACH vernetzte. Aus dieser Basis entstand die heutige DRIVTO-Driver-Community. Sein Editorial-Schwerpunkt liegt auf den Pillars Cars Connect People (persönliche Founder-Voice, Driver-Geschichten) und State of the Scene (datenbasierte Markt-Analysen, Industry-Essays).