
Aus einem Facebook-Foto wird unsere eigene Cars & Coffee Düsseldorf Community-App—Sieh dir an, wie ein Sonntagmorgen-Ritual eine vernetzte Autokultur entfacht hat, zu der du beitreten kannst.
Wenn man Leute fragt, was Cars & Coffee Düsseldorf eigentlich ist, hören sie meistens ein einfaches Eventformat. Sonntagmorgen, Parkplatz, Wagen. Was sie selten zu sehen bekommen, ist die Arbeit, die diese Einfachheit über sieben Jahre konstant gehalten hat. Diese Arbeit war fast nie das Format selbst. Sie war die Kuration darunter.
Facebook, Fahrzeugbilder, Söhne und Väter
Die Vermarktung lief in den ersten Jahren über Facebook — über Facebook-Events und über 1:1-Ansprache. Wir suchten in Beiträgen und Kommentaren nach Sportwagen-Enthusiasten, schrieben sie an, luden sie ein. Auffällig oft kamen die ersten Reaktionen von Jungs, die ihre Väter zur Teilnahme überredeten. Eine kleine, schöne Generationen-Verschiebung, die in keinem Marketingplan stand und die das Format trotzdem entscheidend prägte.
Grundbedingung war immer: Schick uns ein Bild von dem Wagen, mit dem du teilnehmen willst. Daraus entstand das Rückgrat unserer Kuration. Beim letzten Cars & Coffee am Rheinturm hatten wir fast 600 Anfragen — zugelassen haben wir 250. Es gab keine harten Kriterien dafür, was ein Ja war und was ein höfliches Vertröstet-Werden. Es war Fingerspitzengefühl. Welcher Wagen passt in diese Atmosphäre, welcher passt zu denen, die schon dabei sind, welcher würde fehlen, wenn er nicht da wäre. Wer das einmal nebenberuflich macht, weiß: diese Entscheidungen kannst du nicht automatisieren. Du musst sie machen. Und wenn du sie konsistent machst, entsteht das, was Außenstehende für Atmosphäre halten.
Drivers Lounge, Espresso-Maschinen, Areal Böhler
Mit zunehmender Frequenz und zunehmendem Aufwand mussten wir die Teilnahmegebühren erhöhen. Die Beiträge einzelner lokaler Sponsoren reichten nicht mehr. Das nahm dem ursprünglichen Cars & Coffee einen Teil seines Charmes — wer das Format aus seiner amerikanischen Idealversion kannte, hat das registriert. Wir registrierten es selbst. Aber irgendwie mussten wir das Ganze tragen.
Wir führten eine Drivers Lounge ein, einen abgegrenzten Bereich zwischen Teilnehmern und Zuschauern. Es war ein Kompromiss, der den Drivern Schutz vor zu viel Schaulust gab und uns die Logistik für ein wachsendes Publikum vereinfachte. 2018 erreichten wir mit der Edition im Düsseldorfer Areal Böhler den Höhepunkt: über 300 Wagen, mehr als 4 000 Besucher, eine fast komplett gefüllte Industrieanlage.
Solche Tage liefen meistens so: Wir starteten offiziell um 10 Uhr, für vier bis sechs Stunden. Schon vorher waren die ersten Teilnehmer da, gerade dann, wenn die Espresso-Maschinen auf den Cafe-Bikes, Apes und Coffee-Trucks heißliefen. Die Teilnehmer kamen aus dem ganzen DACH-Raum, durchschnittlich aus etwa 100 Kilometern Anfahrt, in Einzelfällen von über 500km. Eine Anreise, die kein Eintritt der Welt erzwingen könnte — und die genau deshalb so viel über die Anziehungskraft des Formats sagt.
Nicht alle Driver der ersten Stunde konnten diese Entwicklung nachvollziehen. Manche fanden, das Format sei zu groß geworden. Manche fanden, der Charakter habe sich verschoben. Das war nicht falsch.
Was wir an unseren Kritikern gelernt haben
Aus diesen Reibungen kam die wichtigste interne Erkenntnis dieser Jahre: Wir behandeln Driver nicht als Kunden, sondern als Asset. Ein Kunde zahlt und konsumiert. Ein Asset bringt etwas in das Format ein, was ohne ihn nicht entstanden wäre — eine Atmosphäre, eine Geschichte, eine kleine Verschiebung im Klassentreffen-Charakter, die niemand sonst hätte produzieren können. Wer das Format als Veranstalter so liest, trifft Entscheidungen anders. Er denkt weniger über Ticketpreise nach und mehr darüber, welche Konstellation am Sonntag zustande kommen soll.
Daraus folgte etwas Zweites, das Konsequenzen bis in die DRIVTO-Plattform-Architektur hat: Wir wollten ein Format bauen, in dem unterschiedliche Gruppierungen koexistieren können, ohne sich gegenseitig auszuschließen. Eine Club-Struktur — formal definierte Mitgliedschaften, exklusive Listen, scharf gezogene Grenzen — hätte diese Koexistenz unmöglich gemacht. Wir wollten den Rahmen. Nicht die Tür.
Die App, die nicht mehr fertig wurde
2017 fanden wir zwei Community-Mitglieder, die mit uns die nächste Stufe denken wollten. Gemeinsam mit zwei Carspottern, die ihre Instagram-Reichweite mitbrachten, entwickelten wir die Vision einer App — eine Art Social Media für Supercar-Enthusiasten, die die Driver auch zwischen den Events verbinden würde. Bewusst kein Club. Bewusst kein Marketplace. Wir definierten eine übergeordnete Brand-Identität für die Iteration vom Eventformat zur Plattform-Logik.
Wir bauten, testeten, polierten. Erste Test-Phasen lagen hinter uns. Wir waren so weit, dass das Produkt eine eigene Erzählung tragen würde — und dann kam Covid. Wir liquidierten das Projekt am Ende des Eventjahres 2020, weil sich keine Perspektive abzeichnete, die ein weiteres Jahr Aufbau wirtschaftlich getragen hätte. Der Community boten wir eine Landing-Page an, aber das Engagement bröckelte mit jedem Monat, in dem nichts mehr passierte.
Erst 2024 nahmen wir die Idee wieder auf. Diesmal unter dem Namen DRIVTO. Mit der ganzen Vorarbeit von 2017–2020 im Hinterkopf, mit der Liste der damaligen Driver in der Hand und mit deutlich klareren Vorstellungen davon, was die Plattform nicht sein sollte. Kein Marketplace. Kein Club. Kein Aggregator. Was sie sein sollte, war exakt die Antwort auf die Frage, an der wir 2018 nicht mehr weiterkamen.
Was fünf Jahre Sonntagmorgen wirklich gelehrt haben
Drei Sätze, die übrig bleiben.
Atmosphäre ist eine Eigenschaft der Selbstbeschränkung, nicht des Wachstums.
Eine Verabredung verträgt einen anderen Preis als eine Veranstaltung — und sobald du den Preis erhöhst, musst du im Kopf damit umgehen, dass dein Format sich wandelt.
Die schwierigsten Entscheidungen waren immer kuratorisch. Welcher Wagen ist okay, welcher passt nicht. Diese Entscheidungen kannst du nicht delegieren. Du musst sie treffen.

Philipp Lauterbach ist Gründer von DRIVTO, der kuratierten Identitäts- und Discovery-Plattform für die europäische Sportwagen-Szene. Mit Sitz in Düsseldorf baut er seit August 2018 Sportwagen-Communities — zuerst über das Cars+Coffee-Format in Düsseldorf, Köln, Berlin, Mönchengladbach und auf Sylt, seit Mitte 2024 in Form von DRIVTO als Plattform mit eigenem Editorial-Magazin und proprietärer DriverDNA-Methodik.
Sein Weg in die Sportwagen-Welt begann mit einer Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann in einer Mercedes-Benz-Händlergruppe. Es folgten Marketing-Verantwortlichkeiten bei Ferrari und Maserati in Düsseldorf, wo er zu einer der prägenden Marketing-Stimmen dieser Marken in Deutschland seiner Zeit wurde. Aus dieser Phase erwuchs auch der direkte Kontakt zur Cars+Coffee-Bewegung — und das Faible für italienische Wagen, das ihn bis heute prägt. Ferrari und Pagani stehen seitdem im Zentrum dessen, was er als Driver selbst sucht.
Vor DRIVTO baute er die Cars+Coffee-Stationen in mehreren deutschen Städten auf — eine eigenständige Event-Reihe, die in ihrer aktivsten Phase mehr als 1.500 Sportwagen-Fahrer in DACH vernetzte. Aus dieser Basis entstand die heutige DRIVTO-Driver-Community. Sein Editorial-Schwerpunkt liegt auf den Pillars Cars Connect People (persönliche Founder-Voice, Driver-Geschichten) und State of the Scene (datenbasierte Markt-Analysen, Industry-Essays).