
Vom ruhigen Parkplatz zu einem weltweiten Wahnsinn der Automobilkultur – erfahre, wie Cars & Coffee aus einem Sonntagsritual ein weltweites Phänomen gemacht hat.
Es gibt diese Energie, die ein gutes Cars & Coffee am Sonntagmorgen erzeugt — und die selbst wir, die das Format seit Jahren betreiben, kaum verbalisieren können. Wer einmal dabei war, versteht es ohne weitere Erklärung. Wer nicht dabei war, dem hilft die beste Beschreibung nicht. Das ist die erste, unspektakulärste Wahrheit dieser Geschichte.
Sie beginnt in den frühen 2000ern in Newport Beach, Kalifornien — ein paar Sportwagen-Besitzer, ein Café, ein Parkplatz, kein Plan. Innerhalb eines Jahrzehnts stand das gleiche Format in London, Mailand, Zürich, Wien, Hamburg. Niemand hatte es lizenziert, niemandem gehörte es. Genau das war seine Stärke.
Nach Deutschland gebracht hat es ein Mann, der zu der Zeit hauptberuflich für einen Automobilzulieferer arbeitete: Daniel Kurpik. Auf dem Papier weit weg vom finalen Produkt — und noch weiter weg von den Menschen, die diese Produkte kauften. Aber Daniel war schon immer das, was sich am ehesten mit Menschenfänger übersetzen lässt: jemand, der Menschen anzieht und zusammenführt, instinktiv und ohne dabei kalkulierend zu wirken. Er hatte intrinsisch begriffen, dass ein außergewöhnliches Auto ein erstaunlich präziser Anlass ist, um Menschen einander gegenüberzustellen, die sich sonst nie begegnet wären. Manchmal war es selbst für ihn schwer in Worte zu fassen, was diese Energie auf den Events eigentlich ausmacht. Aber jeder, der einmal dabei war, verstand es.
Im Sommer 2016 organisierte Daniel das erste große Cars & Coffee in Düsseldorf, am Rheinturm. Es kamen mehr Wagen, als selbst er erwartet hatte. Das Konzept saß auf Anhieb.
Der Anruf an der Info
Ich war zu der Zeit auf der anderen Seite des Tisches. Bei Ferrari in Düsseldorf, im Marketing — und genauer: im Retail. Eine Stelle, die mir die Markenarbeit beibrachte, aber wenig Spielraum bot, eine eigene Idee zu treiben. Mit Social Media tat Ferrari sich damals noch schwer; es gab erste vorsichtige Schritte, mehr nicht. Cars & Coffee kannte ich aus Instagram und Facebook — international war das Format längst ein Begriff.
Eines Vormittags kam ein Anruf von der Info. Zwei Herren wollten mich sprechen. Es waren Daniel und sein damaliger Geschäftspartner. Was sie mir dann pitchten, würde ich heute nüchtern als nicht besonders überzeugende Ausgangslage beschreiben — wenig konkret, sehr früh, viele offene Fragen, eine ehrlicherweise eher dünne Folie. Aber ich konnte hören, dass sie daran glaubten. Und ich kannte das Format aus eigener Beobachtung gut genug, um zu wissen, was es international leistete. Wir verabredeten ein gemeinsames Event. Daraus wurden weitere. Wir hängten ein After-Event-Format an, das uns als Marke direkten Zugang zu den Drivern verschaffte — also zu denen, die im Sportwagen-Segment am Ende die Käufer sind.
Der Wechsel der Seite
Ende 2016 und im Lauf von 2017 reifte etwas, das vorher nur Ahnung war. Auf der Ferrari-Retail-Seite waren meine eigenen Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt — und ich hatte immer gewusst, dass ich irgendwann etwas gründen würde. Ich sah bei Daniel und seinem Partner zwei Dinge sehr deutlich. Sie konnten Sales, sie konnten Branding. Was fehlte, waren Prozesse, eine Architektur, eine größere Vision dahinter. Vor allem fehlte eine belastbare Geschäftsmodell-Idee, die diesem Format eine wirtschaftliche Form hätte geben können.
An dieser Stelle sah ich die Chance, mich nicht nur einzubringen, sondern sinnstiftend einzubringen. Das brauchte einige Gespräche und sehr viel Vertrauen. Es gab kein Gehalt. Es war für uns drei ein echtes Venture — getrieben weniger von wirtschaftlicher Hoffnung als von dem gemeinsamen Glauben daran, dass Cars Connect People keine Marketing-Floskel ist, sondern eine soziale Beobachtung, die wir alle drei selbst gemacht hatten.
2017 wechselte ich auf die Veranstalter-Seite.
Wie sich das Format ausbreitete
In den Jahren danach öffneten wir Stationen in mehreren Städten. Jede hatte ihren eigenen Charakter, weil das die Grammatik des Formats verlangt: Cars & Coffee gehört nicht uns, sondern jeweils der lokalen Szene. Düsseldorf wurde zum Klassentreffen, von dem aus sich die Driver sternförmig in den Medienhafen, an die Kö, in die Restaurants der Stadt verteilten. Köln entwickelte einen Show-Charakter, getragen von einem runden Platz am Wasser im Medienpark. Mönchengladbach lief als Night Edition am Flughafen, mit Need-for-Speed-Akzent und Taxifahrten in einem Lexus aus dem VLN-Programm und in einem LMP-Prototypen. Berlin lief an der Carfactory, exklusiver gestaltet, mit anschließender Ausfahrt eines lokalen Kooperationspartners — und genau dadurch näher am Kern des Formats als so manche kleinere Edition.
2018 trauten wir uns zum ersten Mal aufs Owners Weekend nach Sylt — vier Tage, eine Insel, eine Probe für etwas, das das klassische Cars & Coffee inhaltlich übertraf.
Pause und Reaktivierung
Covid hat uns am Ende gezwungen, das Eventjahr 2020 und Teile von 2021 stillzulegen. Eine größere Brand-Iteration und das damit verbundene Plattform-Vorhaben, an dem wir 2017–2019 mit zwei Community-Mitgliedern und zwei reichweitenstarken Carspottern gearbeitet hatten — eine Art Social Media für Supercar-Enthusiasten, bewusst kein Club —, liquidierten wir gegen Ende 2020. Es fehlte die Perspektive, ein weiteres Jahr Aufbau wirtschaftlich zu tragen. Was blieb, war die Community, eine Landing-Page, eine Pause, die sich länger anfühlte, als sie war.
2024 nahmen wir die Idee wieder auf — und gründeten DRIVTO. Nicht als Eventbrand, sondern als Plattform. Mit eigener Editorial-Stimme, eigener DriverDNA, eigener Logik dafür, wer auf diesen Parkplätzen eigentlich steht. Die Düsseldorfer Sonntagmorgen sind weiterhin das, was sie waren. Aber wir bauen die Plattform nicht mehr auf dem Eventformat auf. Wir bauen sie auf den Menschen, die zu diesem Eventformat gefunden haben.
Was bleibt
Cars & Coffee als Format wird weiter existieren – in den Metropolen dieser Welt. Es gibt keine zentrale Organisation, und das ist gut so. Was wir als wichtigste Erkenntnis aus knapp zehn Jahren mitnehmen, ist die schwer in Sätze zu fassende Beobachtung, die Daniel von Anfang an hatte: dass ein Auto ein erstaunlich präziser Anlass ist, um Menschen auf gemeinsamer Höhe zu versammeln, die sich sonst nie begegnet wären. Das ist die Erkenntnis, der DRIVTO untergeordnet ist. Und der einzige Grund, warum wir glauben, dass DRIVTO mehr werden kann als eine weitere Plattform.

Philipp Lauterbach ist Gründer von DRIVTO, der kuratierten Identitäts- und Discovery-Plattform für die europäische Sportwagen-Szene. Mit Sitz in Düsseldorf baut er seit August 2018 Sportwagen-Communities — zuerst über das Cars+Coffee-Format in Düsseldorf, Köln, Berlin, Mönchengladbach und auf Sylt, seit Mitte 2024 in Form von DRIVTO als Plattform mit eigenem Editorial-Magazin und proprietärer DriverDNA-Methodik.
Sein Weg in die Sportwagen-Welt begann mit einer Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann in einer Mercedes-Benz-Händlergruppe. Es folgten Marketing-Verantwortlichkeiten bei Ferrari und Maserati in Düsseldorf, wo er zu einer der prägenden Marketing-Stimmen dieser Marken in Deutschland seiner Zeit wurde. Aus dieser Phase erwuchs auch der direkte Kontakt zur Cars+Coffee-Bewegung — und das Faible für italienische Wagen, das ihn bis heute prägt. Ferrari und Pagani stehen seitdem im Zentrum dessen, was er als Driver selbst sucht.
Vor DRIVTO baute er die Cars+Coffee-Stationen in mehreren deutschen Städten auf — eine eigenständige Event-Reihe, die in ihrer aktivsten Phase mehr als 1.500 Sportwagen-Fahrer in DACH vernetzte. Aus dieser Basis entstand die heutige DRIVTO-Driver-Community. Sein Editorial-Schwerpunkt liegt auf den Pillars Cars Connect People (persönliche Founder-Voice, Driver-Geschichten) und State of the Scene (datenbasierte Markt-Analysen, Industry-Essays).